„Bereitet dem Herren den Weg, denn sie­he, der Herr kommt gewaltig"
Jesaja 40, 3

Liebe Leserinnen und Leser.
Ich war letztes Jahr auf einer großen Weihnachtsfeier in Duisburg. Das Famili­enunternehmen Krohne feierte mit all sei­nen Werksangehörigen.
„Wir sind wie eine Familie, feiern zu­sammen", sagten sie - Leute aus den ver­schiedensten religiösen Zusammen­hängen:

Es sprachen ein Vertreter der jüdischen Gemeinde, ein Kollege von mir aus der evangelischen Kirchgemeinde, sein Kol­lege von der katholischen Kirche, ein Vertreter der muslimischen Ge­meinde so­wie Repräsentanten des Un­ternehmens.
Sie sprachen von Maria, vom Weih­nachtsfest, vom muslimischen Opfer­fest (20.12.), vom Chanukkafest der Ju­den. Und einer, das war der katholische Kolle­ge - er sprach vom Advent, vom Wartenkönnen auf den Heiland.

Ich bin nicht sicher, ob die Anwesen­den die Zeit des Wartens auf das Buffet zu schätzen wussten - geschweige die Zeit des Wartens im Advent.

 

Wie sieht es mit uns aus? Bei mir wun­derte sich eine Bekannte,  warum man denn nicht „O du fröhliche" auch jetzt schon singen dürfe - in der beginnen­den Adventszeit?!
Nun man darf heute nahezu alles. Aber mal im Ernst: Wann haben Sie Geburts­tag? Würden Sie Ihren Geburtstag schon im Voraus feiern?

Warum fällt uns das
Warten auf Weihnachten
so schwer?

Wir warten doch sonst auch: an der Kasse im Laden, hinter schimpfenden Kunden, drängelnden Müttern, bei freundlichen Kassiererinnen. Am Bahnhof, z.B. bei Minustemperaturen, wird es schwierig. Da muss man sich  dann bei Verspä­tungen ganz schön warm trampeln.


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Apropos Verspätungen: Die Chris­ten in alter Zeit rechneten damit, dass der Mes­sias, der Heiland der Welt bald käme, um sie von dieser Erde zu erlösen. Es gab dann so etwas wie eine „Verspätung" im Kommen Gottes. Die Christen erlebten, dass Gott nicht so kam, wie sie es erwar­teten: zum End­gericht, sondern dass Jahr um Jahr ver­strich: aus einer Naherwar­tung wurde eine Fernerwartung. Gott würde kom­men irgendwann. Aus diesem Warten entwickelte sich im Gottesdienstjahr die Feier des Adventes: Hoffen und warten auf die Ankunft Gottes. Diese Ankunft feierte man dann in Christli­cher Tradition zum Weihnachtsfest.

Die Zeit des Wartens, des Erwartens, dass Gott in unser Leben tritt, die ist zuneh­mend in den Hintergrund getre­ten. Viel­leicht ist das ja auch ein Zei­chen unserer Gesellschaft, dass Warten schwer gewor­den ist.

Das Internet ist ein Beispiel: Ich habe et­was bestellt. 3-4 Tage würde es dau­ern und dann... dauerte es. Ich bin ja ein ge­duldiger Mensch, aber nach vier Tagen habe ich telefoniert. „Die Sen­dung würde auf den Weg gebracht." ... Da ging mir schon gleich die Hut-schnur hoch ... schließlich stand ja bei den Angaben zum Versand wie lan­ge es dauern würde.

Warum können
wir nicht warten?

Wer nicht warten kann, dem fehlt, ent­geht Zeit der Vorbereitung auf das was kommen soll, kommen wird.

 
 
Und ich ertappe mich tatsächlich dabei, wie wenig ich Zeit zum Warten haben möchte. Ich will gar nicht warten. Ich will ja sofort und schnell und überhaupt, zügig und ohne Zeitverschwendung.

Es gibt Christen, die können es gar nicht abwarten, dass Gott zum Weltge­richt er­scheint.

Ich habe es damit nicht eilig. Ich möch­te mich gern vorbereiten, vorbereitet sein, auf das was kommt, auf den, der kommt.
Bereitet dem Herrn den Weg, denn sie­he der Herr kommt gewaltig.
Da habe ich noch ein wenig Arbeit vor mir. Wie bereite ich mich sinnvoll vor, auf Gott, auf Jesus Christus, der in mein Leben tritt.

Was tun wir anders,
wenn wir daran den­ken:
Gott kommt?!

Vielleicht ist es ja auch nicht zufällig und darum verräterisch, wenn wir im­mer gleich Weihnachtsfeiern machen möchten und den Advent, die Zeit da­zwischen, vergessen.
Wir denken vielleicht, diese Vorberei­tung brauchen wir nicht mehr?
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten:
Eine gesegnete Adventszeit! 

Ihr Pastor Martin Waack


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