Liebe Leserinnen und Leser,


Wie ist das, wenn Sie etwas Neues
beginnen? Freuen Sie sich? Sind Sie
aufgeregt? Oder haben Sie Sorgen?
ls es vor einigen Wochen zu
schneien anfing, liefen die Kinder
auf die Straßen und versuchten,
die Schneeflocken mit dem Mund zu
fangen. Freude und Aufregung über
den Winter. Inzwischen interessiert
sich niemand mehr für die Schneeflocken,
der Zauber ist dahin. Stattdessen
stöhnt man über das Schnee -
fegen. Wenn aber im Frühling die
ersten Blumen aufblühen, dann
schauen wir wieder genau hin und
frohlocken: „Endlich wird es warm.“
Etwas Neues beginnt und wir sind
voller Erwartungen. Fulbert Steffensky
hat beobachtet:„Wenn etwas
Neues beginnt,überkommtMenschen
eine Artgerührter Hoffnung.“

Ja – Rührung, denn Anfänge bewegen
uns immer – nicht nur in der Natur,
auch wenn ein Kind geboren
wird, wenn aus Kindergartenkindern
Schulkinder werden, wenn Menschen
zusammen leben wollen oder,
wenn ein neues Lebensjahr beginnt.
Wie zeigt sich diese Bewegung, diese
Rührung über einen Anfang?
Manche weinen Tränen, andere lachen,
und meist feiern wir ein Fest, um unsere
Freude über den Neubeginn zu teilen.
Wir feiern! Wann tun wir das in der Gemeinde?
Beim Gemeindefest, zu Weihnachten,
zu Ostern, zur Konfirmation und zu
Erntedank.
Aber ist nicht jeder Gottesdienst ein
Fest? „Wir feiern Gottesdienst.“
Was gibt es jede Woche zu feiern? Den
Beginn der neuen Woche.
ch habe in den vergangenen zweieinhalb
Jahren viele Gottesdienste hier
in Wittenburg gefeiert. Viele schöne
Feste. Ich fühlte mich von Anfang an
eingeladen. Für mich sind die Gottesdienste
am Sonntagmorgen zu einem
zentralen Ort desGemeindelebens
geworden. Hier begegneten sich
Männer und Frauen aus den Chören, hier
kamen Konfirmanden und Senioren
zusammen, im Gottesdienst saßen
Christenlehrekinder neben Täuflingen,
spielte die Band, und war der
Kirchgemeinderat vertreten, beteten
Frauen vom Frühstückstreffen zusammen
mit Paaren vom Tanzkurs.
 
Mit einem Gottesdienst im September
2007 hat mein Vikariat begonnen, und
auch die Verabschiedung geschah in einem
Gottesdienst.
„Gott du stellst meine Füße
auf weiten Raum“
Psalm 31, 9b

 

 

 

 

 

Die Gottesdienste sind mir wichtig,
doch Gemeindeleben entsteht aus
vielen verschiedenen Beziehungen
und Begegnungen. Ich bin dankbar
für die vielen Menschen, von denen
und mit denen ich dies lernen
konnte.
Aus dem Anfang ist etwas Bekanntes
geworden, und nun wird daraus
Abschied. Auch dabei überkommt
mich eine Art gerührter Hoffnung.
Hoffnung, dass Impulse weitergege -
ben werden, dass Erinnerungen blei -
ben und dass Beziehungen nicht abbrechen.
Auch Abschiede bewegen immer.
Dieser Abschied gehört zum Vikariat
dazu. Die Lernzeit ist zu Ende. Meiner
Schulmentorin Marlene Schabestiel
und meinem Gemeindementor
Martin Waack bin ich sehr verbunden.
Beiden danke ich von Herzen.
Ich wünsche jedem und jeder,
dass er oder sie ebensolche weitsichtigen,
motivierenden, fordernden und
fröhlichen Lehrerinnen und Lehrer
habe.
nfang und Abschied erscheinen
wie zwei Seiten derselben Medaille.
Wenn ich auf den Abschied
von Wittenburg sehe, ist auf der anderen
Seite schon der Anfang in der
Gemeinde Gresse-Granzin geprägt.

Abschied und Anfang bewegen
mich, weil sie zusammen gehören.
Sie sind mit ähnlichen Gefühlen verbunden.
Am Anfang herrscht Unruhe
vor dem Unbekannten, beim Abschied
ist das Herz unruhig, weil gewohnte
Begegnungen aufhören.

Als ich vor einigen Wochen die Jahreslosung
2010 las, dachte ich: ‚Was für
ein Zufall, dass gerade dieses Wort über
dem Jahr 2010 steht’: „Euer Herz
erschrecke nicht! Glaubt an Gott und
glaubt an mich!“ Das Wort macht Mut
für Abschiede ebenso wir für Anfänge.

Ihre Vikarin
Wilma Schlaberg