100. Jahre Kirchturm und seine Geschichte 

Unser Kirchturm ist nun 100 Jahre alt und wir wollen dieses Datum zum Anlass nehmen an Erntedank, den 4. Oktober 2009, ein Turmfest mit der Gemeinde zu feiern. Vorab möchten ich Ihnen/Euch schon etwas über den Kirchturm und seine Geschichte erzählen. 

Am 22.10.1657 wütete in Wittenburg ein großer Stadtbrand, bei dem die Stadt bis auf drei Bürgerhäuser zerstört wurde. Auch unsere Kirche fiel den Flammen zum Opfer. Hierbei wurden die Dächer am Langhaus und Chor, sowie die Inneneinrichtung weitgehend zerstört, u.a. ein 1652 noch nachweisbarer kupfergedeckter Dachreiter am Westende. 
Im Visitationsprotokoll vom 28. Mai 1655 wurde vermerkt: „Auf der Kirche ist ein kleiner Turm mit Kupfer gedeckt“. Im Visitationsprotokoll von 1704 wird das Türmchen nicht mehr erwähnt. 
Da nach dem Brand weiter Notzeiten herrschten, begnügte sich Wittenburg mit einem kleinen Dachreiter. 
1661 konnten zwei neue Glocken wieder mit Geläut die Begräbnisse begleiten und 1666 entstand eine weitere Glocke durch Umguss. 

Seit langer Zeit bestand in der Gemeinde der Wunsch, der Kirche einen Turm und damit der Stadt ein für ihre Bedeutung zu der Umgebung passendes bauliches Wahrzeichen zu geben. 
Bereits 1867 erhob die Pfarrbaukonferenz die Forderung nach einem Turmbau. Dem ausgeführten Turm gingen Entwürfe verschiedener Landbaumeister voraus. Der früheste nachweisbare Vorschlag ist von 1880. 
Aber es blieb zunächst bei den Entwürfen. Erst 1901 griff man den Gedanken eines Turms wieder auf. 
In Februar 1906 genehmigte die Pfarrbaukonferenz ein Turmbauprojekt (heutiger Turmbau) des Hagenower Distriktbaumeisters Carl Voss.
Am 12. Juli 1907 wurde mit dem Neubau des Westturms begonnen. Nach einer Winterpause am 3. Dezember 1907 bis 18. März 1908 konnte die Traufhöhe des Turms am 17.08.1908 erreicht werden. Ab den 17.08.1908 wurde mit dem Richten des Helmes begonnen und am 18. September 1908 abgeschlossen, anschließend wurde die Eindeckung des Helmes vorgenommen.
In der Chronik vom 1909 ist niedergeschrieben: „Der Kirchturmbau wurde in diesem Jahr beendet“.
Dieses bestätigt uns eine Datierung von 1909 an der Turmeingangstür, sodass die endgültige Fertigstellung in dieser Zeit erfolgte.
 
Dieser axialer Einturm aus Backstein über Quadersockel auf quadratischen Grundriss wurde vor die Westfassade gesetzt. Die Struktur der vorherigen Westfassade wird dadurch verdeckt (mittlerer Teil der Westfassade).
Der Turm ist dreigeschossig (Turmhalle, Aufgang und Schallgeschoss) errichtet. Es gibt eine aufwendige Portalzone (Eingangszone) als Rundbogenportal mit gestuften Gewände und seitlichen kurz gestuften Strebepfeilern und als Abschluss ein Dreiecksgiebel. Darüber befindet sich ein Rundfenster mit schräger Leibung, dessen Einfassung mit glasierten und unglasierten Steinen hergestellt wurde. Die äußere Verblendschicht wurde im sog. gotischen Verband ausgeführt.

Diese Bauarbeiten wurden von Wittenburger Handwerkern ausgeführt. Die Erd- und Maurerarbeiten von Maurermeister Fritz Friese und Karl Teterow, Zimmererarbeiten vom Zimmermeister Heinrich Prüß, Eisenarbeiten von Heinrich Bremer, Dachdeckung vom Dachdeckermeister Frank und Bark. Die Spitze mit Blitzableitung, Kugel und Wetterhahn von Klempnermeister Ansorge aus Schwerin. Die Kosten für diesen Bau betrugen 57.178,00 Mark. 
Eine von 1908 im Turmknopf hinterlegte Urkunde dokumentiert alle am Bau beteiligten Firmen und Personen.
Weiter sind verschiedene Münzen, sowie Dokumente der Turmneueindeckung von 1994 enthalten.

Von den ursprünglichen drei Bronzeglocken, die der Turm beherbergte, blieb nur die große Glocke von 1666 erhalten. Von den beiden kleineren ist eine im 2. Weltkrieg eingeschmolzen und die andere wurde für den Schnitzaltar, welcher aus Hagenow stammt, eingetauscht. Die fehlenden zwei Glocken wurden im Jahr 1965 durch Eisenhartgussglocken der Firma Schilling Apolda ersetzt. 
 
Eure Küsterin 
Gisela Bartels