Gedanken von Simone Wegner zum Lichteraltar

Seit dem 14. Dezember 2007 hat die Evangelische Kirche St. Bartholomäus in Wittenburg einen Lichteraltar.  Es handelt sich bei dem Werk um eine Stiftung des Steinmetzmeisters Lothar Wegner und seiner Familie aus Wittenburg und wurde in Absprache mit der Gemeinde und dem Kirchgemeinderat der Kirche St. Bartholomäus erstellt.

 

lichteraltar

Der Lichteraltar hat einen besonderen Platz bekommen. Er steht vorne im Eingangsbereich des Südschiffes und ist - wie es sich für einen Altar gehört - nach Osten ausgerichtet. Auf drei massiven Steinsockeln ruht die Altarplatte, auf der kleinere Steinquader nach oben spitz zulaufend aufgebaut sind. Es sind 10 Steinstücke, die auf 4 Reihen aufgeteilt sind. Auf jedem ist ein Gebot eingehauen. Ganz oben steht und leuchtet eine große Kerze. Gleich rechts neben dem Altar befindet sich eine Schale aus Naturstein mit kleinen Kerzen.

Jeder ist eingeladen sich eine davon zu nehmen, sie an der großen Kerze zu entzünden und sie auf den Altar, vielleicht auch auf oder neben ein ganz bestimmtes Gebot, zu stellen.

Hier kann jeder
seine Sorgen, Hoffnungen und Bitten lassen.
Gott hat sich in den 10 Geboten offenbart. In diesen Sätzen zeigt er seinen Willen. Im 2. Buch Mose, Kapitel 20, 1-17 sind sie zu finden.
Wie wird die Situation in der Bibel beschrieben,
bevor Mose die Gebote empfängt?

„Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berg und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak.

Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen und es trat unten an den Berg.Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der HERR auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen und der ganze Berg bebte sehr. Und der Posaune Ton ward immer stärker. Und Mose redete und Gott antwortete ihm laut.„(2. Buch Mose 19, 16 - 19; Übersetzung nach Martin Luther)
Der Berg Sinai, das Feuer ganz oben, das Volk, das unten am Berg steht und die Posaune, die tönt. Das alles sind Elemente, die sich in dem Lichteraltar im hier und heute wiederfinden. Der Altar mit den 10 Geboten ist ein Symbol für den Berg Sinai und die große Kerze kann als ein Zeichen für das Feuer Gottes angesehen werden. Steht nicht jeder einzelne Kirchenbesucher zu Füßen des Altares, genauso wie das Volk damals am Berg Sinai? Sogar Posaunen haben gegenwärtig ihren Platz in der Gemeinde und tönen von Zeit zu Zeit in der Kirche St. Bartholomäus.
Gott hat sich ein zweites Mal
in ganz besonderer Weise offenbart: in Jesus Christus.

Auch das ist in dem Altar dargestellt. Gemeint ist das Motiv des Lichts. Der Name „Lichteraltar„ erzählt schon davon. Es kommt durch die Kerze, die über den 10 Geboten thront, zum Ausdruck.

Im Johannesevangelium 8,12 steht: „Da redete Jesus abermals zu Ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.„

Licht leuchtet nicht nur, sondern beleuchtet auch. Es scheint auf jeden und zeigt vielleicht auch oftmals die Dinge, die man selbst lieber im Dunkeln lassen würde.

Das Wunderbare daran ist, dass die Menschen durch Christus angenommen sind mit allen Schattenseiten. Er ist das Licht der Welt und das Licht des Lebens, das erhellt, das Orientierung gibt, das mit Gott verbindet, das ganz macht.

Es bleibt eine sehr wichtige Frage:
Wie stehen die 10 Gebote und Jesus Christus in Verbindung?

Jesus Christus steht wie beim Lichteraltar über den Geboten. Gott hat ihn geschickt, weil er weiß, dass der Mensch die Gebote nicht einhalten und erfüllen kann. Das heißt aber nicht, dass sie für die Menschen bedeutungslos geworden sind.

Die Gebote sind Gottes Wille. Sie dienen uns Menschen zur Orientierung und zur Auseinandersetzung mit Gott, mit uns selbst und mit unseren Nächsten.

Jeder ist willkommen, eine Kerze an der Flamme zu entzünden und auf den Altar zu stellen, in Gedanken an einen Menschen, mit den Worten eines Gebetes im Herzen oder auf den Lippen und so auch ein kleines Licht in sein eigenes Leben zu stellen.